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Die meisten Kinder machen ihre ersten Schritte im Alter von 10 bis 18 Monaten. 50% aller Babys schaffen ein paar Schritte bereits vor dem ersten Geburtstag.

Falls Ihr Baby bereits 19 Monate oder älter ist und noch keine Schritte macht, ist es kein Grund in Panik zu verfallen. Aber es ist wichtig, darüber mit dem Kinderarzt Ihres Vertrauens zu sprechen und nach eine Ursache zu suchen.

Laufen ist eine komplexe Leistung unterschiedlicher Systeme, die untereinander abgestimmt werden müssten.

Vorläuferfähigkeiten des Laufens

Laufen können Kinder nur, wenn bestimmte wichtige Entwicklungsschritte zuvor abgeschlossen sind.

1. Rumpfstabilität

Die Muskeln des Rumpfes müssen stabil genug sein, damit das Stehen überhaupt möglich ist. Ihr Kind sollte die Bewegungen des Kopfes (mit etwa 4 Monaten) und der Arme (5 Monate) kontrollieren können.

In einem weiteren Schritt lernt Ihr Kind seinen Rumpf auch senkrecht zu stabilisieren und trainiert es immer wieder durch Sitzen (mit etwa 7 Monaten) und später durch (auf-) stehen ( mit 10 Monaten).

Eine stabile Rumpfmuskulatur erleichtert das Halten des Gleichgewichts.

=> Tragen Sie Ihr Kind nicht die ganze Zeit. Kuscheln ist toll für die Bindung und Gesamtreifung. Allerdings ist die Eigenbewegung ebenfalls essenziell.

=> Achten Sie darauf, dass die Bewegung Ihres Kindes nicht zu lange eingeschränkt wird (z.B. durch Pucken oder in der Babyschale)

=> Sie können auch die Muskulatur Ihres Kindes unterstützen. Halten Sie Ihr Kind an den Händen und ziehen Sie es leicht nach oben. Ihr Kind wird seinen Nacken anspannen und sein Köpfchen nach oben ziehen.

=> Unterstützen Sie die Bewegung Ihres Kindes mit einer Krabbeldecke oder Krabbelteppich.

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2. Körperkoordination

Bei einer gelingenden Körperkoordination sendet das Gehirn Botschaften an die Muskeln, die dort erfolgreich entschlüsselt werden.

Diese Fähigkeit ist notwendig, damit die Muskeln auch eine komplexere muskuläre Leistung wie Laufen verrichten zu können.

=> Körperkoordination trainiert Ihr Kind vor allem, wenn es gezielt nach Gegenständen greift. Schaffen Sie bunte Greifgegenstände an, das können z.B. Spielsocken, Greiflinge oder Glöckchenspielzeug sein. Achten Sie darauf, dass diese Gegenstände nicht zu schwer sind, die Hände Ihres Kleinen sind noch nicht so geschickt.

=> Verteilen Sie die bunten Gegenstände nicht nur auf dem Boden, sondern auf unterschiedlichen Ebenen ( z.B. unter einem Stuhl zum Bücken oder auf einem Sessel zum Strecken)

=> Bälle eignen sich ebenfalls perfekt dazu. Sie rollen immer wieder weg, sodass immer wieder eine gezielte Greifbewegung notwendig ist. Das können sensorische Bälle oder ein weicher Ball sein.

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3. Gleichgewichtssinn

Gleichgewichtssinn ist unabdingbar für Laufen lernen. Ihr Kind muss seinen Körper auf seinen noch untrainierten Beinen ausbalancieren können.

=> Lassen Sie Ihr Kind sich viel bewegen. Bieten Sie dazu Anreize an (z.B. bunte Gegenstände im Zimmer verteilen, Bälle anbieten.

=> Seien Sie nicht zu vorsichtig. Machen Sie sich keine Sorgen – Ihr Kind kann sich nicht ernsthaft verletzen. Sie Proportionen eines Kindes (seine Masse in Relation zu Fallhöhe) verhindern alles außer kleine Beulen. Und die sind wichtig, damit Ihr Kind lernt, seinen Körper optimal zu steuern. Ein Kind, das ohne Fallen aufwächst, erkennt keine Gefahren und kann sich kaum selbst schützen.

=> Sichern Sie dennoch die Umgebung (Steckdosen sichern, Kabel verstecken, herunterhängende Tischdecken ersetzen, Ofen sichern, Treppe abriegeln usw.)

=> Schaukeln, Wippen, in die Höhe fliegen – all das trägt ebenfalls viel zur Entwicklung des Gleichgewichts bei.

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Warum fangen manche Kinder später zu laufen an?

Die Verzögerung des Laufens kann viele Ursachen haben. Hier ist eine kleine Auswahl:

  • Die Entwicklung Ihres Kindes hat einen anderen Entwicklungsbereich im Fokus – Sprache zum Beispiel.
  • Ihr Kind kommt auch ohne Laufen effektiv zum Ziel und hat es „gar nicht nötig“ zu laufen.
  • Ihr Kind hat relativ lange Beine und damit einen höheren Körperschwerpunkt – das erschwert die Koordination
  • Bestimmte physiologische Störungen, die Muskel, Knochenbau oder Sehnen betreffen.
  • Es liegt eine Gesamtentwicklungsverzögerung vor.
  • Ihr Kind ist ein Frühchen

Fällt Ihnen etwas Besonderes auf und Sie machen sich Sorgen – sprechen Sie unbedingt mit Ihrem Kinderarzt darüber. Alternativ können Sie eine Frühförderstelle aufsuchen. Ärzte in einer Frühförderstelle kennen sich häufig mit der kindlichen Entwicklung viel besser aus und bemerken eine drohende Entwicklungsverzögerung viel früher. Viele Kinderärzte dagegen sind sehr stark auf medizinische Diagnosen fixiert, nach dem Motto „keine Diagnose – wird schon werden“. Dabei geht ganz oft wichtige Zeit verloren, in der Ihr Kind unterstützt werden kann.

Zur Erleichterung finden Sie hier auch eine Liste mit Frühförderstellen.

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Schritt für Schritt laufen lernen

Schritt 1

Ihr Kind klammert sich an Möbel und zieht sich hoch. Der Po und Beine sind nach hinten gestreckt.

Schritt 2

Ihr Kind läuft seitlich an den Möbeln entlang. Die Füße bewegen sich im Nachstellschritt. Dabei trainiert es die Grundzüge der Handlungsplanung – wo muss die Hand als Nächstes hin?

Schritt 3

Ihr Kind hebt das Bein an und schafft es kurzzeitig auf einem Bein zu balancieren. Dabei hält es sich mit einer Hand fest.

Schritt 4

Ihr Kind schafft es, ohne Hilfestellung aufzustehen. Meistens geschieht es aus dem Vierfüßlerstand. Dazu drückt Ihr Kind seine Knie durch und stößt sich vom Boden ab.

Schritt 5

Ihr Kind schafft es selbständig, ein paar unsichere Schritte zu gehen. Seine Arme hält es meist in der „Flugzeugstellung„, um besser Gleichgewicht halten zu können.

Schritt 6

Ihr Kind läuft sicherer. Die Geschwindigkeit kann verändert werden. Ihr Kind lernt es, auszuweichen und zu bremsen.


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