Mein Kind hört nicht - Exekutive Funktionen stärken

Mein Kind hört nicht - Exekutive Funktionen stärken

Mit erstellt von Katrin

FIT Start

Ihr Kind ist ein kleiner Wirbelwind, immer in Bewegung und für alles zu begeistern? Herzlichen Glückwunsch! So soll ein gesund entwickeltes Kind sein.

Wenn Ihr Kind allerdings:

  • sein Verhalten nicht bewusst steuern kann
  • nicht vorausschauend handeln kann
  • sich nicht auf eine Sache konzentrieren kann
  • nicht fähig ist, seine Gefühle zu kontrollieren
  • nicht "folgt"/hört
  • provoziert

wird es schwierig. Es ist anstrengend für die Eltern und Pädagogen. Kinder leider ebenfalls darunter. Für das Selbststeuern und Impulskontrolle sind Exekutive Funktionen des Gehirns fördern.

Exekutive Funktionen

Unter exekutiven Funktionen versteht man geistige Fähigkeiten, die unser Denken und Handeln steuern. Man spricht auch von Selbststeuerung, Selbstdisziplin oder Willenskraft. Dabei meinen alle Begriffe, dass wir uns "im Griff haben".

Im Testlabor der Stanford University der 60er und 70er Jahre wurde ein entscheidendes Experiment durchgeführt. Kinder, die durch den Einwegspiegel beobachtet wurden, wurden alleine im Raum mit einem Marshmallow gelassen. Kinder haben die Wahl: entweder dem Impuls nachgehen und das eine Stück gleich essen oder eine gewisse Zeit abzuwarten und zur Belohnung zwei bekommen.

https://youtu.be/QX_oy9614HQ

Diese Kinder wurden anschließend über mehrere Jahre in Form einer Langzeitstudie beobachtet. Es stellte sich heraus, dass Kinder, die ihre Impulse unter Kontrolle hatten und abwarten konnten als Jugendliche und junge Erwachsenen eine höhere Frustrationstoleranz, eine bessere Aufmerksamkeitsleistung, mehr Selbstvertrauen, eine höhere Intelligenz und mehr Stressresistenz aufweisen werden. Diese Kinder machen einen höheren Bildungsabschluss, haben stabilere Beziehungen und bessere körperliche Fitness.

Ist Selbstregulationsfähigkeit eine Garantie für erfolgreiches Leben?

Ja und nein.

Es lässt sich keine zuverlässige Vorhersage treffen. Aber es werden Tendenzen aufgezeigt, dass Selbststeuerung einen positiven Einfluss auf ein erfolgreiches Leben hat. Auch viele weitere Anschlussstudien bestätigen diesen Effekt. Wer allerdings unüberlegt jedem Impuls nachgeht, wird es eher schwer haben Projekte zu Ende zu bringen und langfristig erfolgreich zu sein. Diese Menschen sind eher zerstreut und unfokussiert, sie handeln unüberlegt und können kaum die langfristigen Folgen abschätzen. Dadurch können häufig Beziehungen oder Gesundheit gefährdet werden.

Exekutive Funktionen sind für höhere geistige Leistungen und die sozial-emotionale Entwicklung sehr wichtig. Sie ermöglichen die Kontrolle von Denken und Handeln. Es können Pläne entwickelt und umgesetzt werden. Die Impulskontrolle erlaubt das Verhalten anzupassen und Verhaltensänderung vorzunehmen. Sie ermöglicht es sich zurückzunehmen und Perspektiven übernehmen zu können. Dies alles bildet eine Grundlage für gelingendes Lernen und hat einen Einfluss auf eine spätere schulische Leistung.

Die gute Nachricht ist - Selbststeuerung lässt sich lernen! Auch wilde Kinder können Schritt für Schritt dazu angeleitet werden, sich selbst besser zu steuern.

Wie entwickeln sich die exekutiven Funktionen?

Exekutive Funktionen entwickeln sich im Vergleich zu anderen kognitiven Funktionen sehr langsam. Sie bilden sich vom Kleinkindalter bis ins frühe Erwachsenenalter aus. Kleine Kinder haben häufig Schwierigkeiten, ihr Denken und Handeln zu regulieren. Je älter sie werden, desto besser sind sie dazu in der Lage. Durch die Hirnreifung verbessern sich diese Funktionen fortwährend. Im Kindergartenalter kommt es zu einem deutlichen Anstieg an exekutiven Leistungen. Kinder lernen Personen und Situationen besser einzuschätzen, sie fangen an Pläne zu schmieden und können die Konsequenzen häufiger einkalkulieren. Ende des Grundschulalters sind die einzelnen Funktionen relativ gut ausgebildet.

Die Entwicklung der exekutiven Funktionen wird von biologischen Faktoren sowie Umweltfaktoren beeinflusst. Während wir die biologischen Faktoren kaum beeinflussen können, können wir die Umwelt unserer Kinder positiv beeinflussen. Das menschliche und vor allem kindliche Gehirn entwickelt sich mit seinem Gebrauch. Die Nervenbahnen, die genutzt werden, werden immer ausgeprägter. Die, die unbenutzt bleiben, werden abgebaut. Regelmäßige Förderung auf einem angepassten Niveau kann die Selbstregulation trainieren.

Die exekutiven Funktionen befinden sich im Frontalhirn (Stirnhirn). Die Funktion Hirnregion wird in einem sehr hohen Maß durch Stress, Einsamkeit und körperliche Inaktivität negativ beeinflusst. Bitte, erwarten Sie keine guten Fortschritte von Ihrem Kind, wenn die Familiensituation gerade angespannt ist, wenn Ihr Kind sich gerade mit dem besten Freund gestritten hat oder wenn es die halbe Woche im Bett liegend verbracht hat.

Teilaspekte der exekutiven Funktionen

Exekutive Funktionen lassen sich in drei Teilaspekte untergliedern. Diese sind unabhängig voneinander aber arbeiten immer zusammen, je nach Aufgabe in unterschiedlicher Gewichtung.

1 Arbeitsgedächtnis

Unter Arbeitsgedächtnis versteht man den "Notizzettel" im Kopf. Da werden alle Informationen kurzzeitig gespeichert und verarbeitet. Diese Aufrechterhaltung von Informationen und deren Bearbeitung ist die Voraussetzung für fast alle kognitive Leistungen.

Arbeitsgedächtnis kann mit dem Arbeitsspeicher eines Computers verglichen werden. Es ist nicht nur Gedächtnis. Dort werden Informationen kombiniert, weiterverarbeitet und verändert. Die Informationen werden nicht nur linear verarbeitet, auch Probleme lösen, Arbeitsschritte planen oder "um die Ecke denken" gehören dazu. Es kann auch die bereits abgespeicherte Informationen zurückgegriffen werden, die auch in die Verarbeitung miteinbezogen werden. Wie bei einem Computer auch beeinflusst die Leistungsfähigkeit des Arbeitsgedächtnisses die Leistungen des Gesamtkonstruktes.

Arbeitsgedächtnisses ist für Lernprozesse von sehr großer Bedeutung. Dies wird durch einen hohen Zusammenhang zwischen Arbeitsgedächtnisleistung und Schulerfolg belegt. Mehrere wissenschaftliche Studien belegen einen Zusammenhang zwischen Lern- und Entwicklungsstörungen wie Lese- und Rechtschreibstörung, Rechenstörung und das ADHS mit Defiziten im Arbeitsgedächtnis.

In einem gut entwickelten Arbeitsgedächtnis kann die Aufrechterhaltung aufgabenrelevanter Informationen und deren Bearbeitung effektiver stattfinden. Somit können eigene Handlungspläne oder fremde Anweisungen besser umgesetzt werden. Dadurch wird ein planvolles und zielgerichtetes Verhalten unterstützt.

Spiele, die das Arbeitsgedächtnis fördern

Ich packe meinen Koffer und nehme mit.... . Am Ende des Satzes kommt ein Gegenstand dazu. Der nächste Spieler sagt denselben Satz und wiederholt dabei alle bereits genannten Gegenstände und sein eigenes. Wer kann sich mehr Gegenstände merken?

Für einen größeren Spaß eignet sich auch ein Quatsch Koffer packen. Dieses Spiel unterstützt zusätzlich einen weiteren Teilaspekt des Arbeitsgedächtnisses - die Flexibilität. Alle Begriffe könnten auch in umgekehrter Reihenfolge wiederholt werden, d.h das zuletzt hinzugefügte Wort wird zuerst benannt. Mit jüngeren Spielern kann ausgemacht werden, dass nur die letzten 2-3 Begriffe wiederholt werden.

Memory ist der Klassiker schlechthin. Am besten sucht man sich das Spiel mit dem Motiv, das Ihr Kind interessiert. Interesse an dem Spiel unterstützt die Motivation und somit den Erfolg der Übung. Dazu eignen sich z.B. folgende Motive: Tierkinder, Natur, Prinzessinnen, Mickey Mouse, Dinosaurier, Minions, Feuerwehrmann Sam, Fahrzeuge, Dragons.

Wenn das einfache Memory mal zu langweilig wird, so kann man auch das 3D Memory umsteigen. Das Maulwurf Spiel lässt die Tiere sich unter der Erdoberfläche verstecken. Wer weiß noch, wo sich die Maus versteckt hat? Das Spiel eignet sich bereits für Spieler ab 3 Jahren.

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Mein persönliches Lieblingsspiel ist das Memory Schach. Die bunten Teile stecken unterhalb der Holzscheibe. Nach dem Würfeln gilt es herauszufinden, wo sich die gewürfelte Farbe versteckt hat. Zusätzlich wird bei dem Spiel durch die Steckbewegung die Feinmotorik unterstützt.

Zusätzlich kann das Arbeitsgedächtnis durch das bereits vorhandene Wissen unterstützt werden. Denn wenn viel Vorwissen da ist, können die neuen Informationen schneller ausgewertet, eingeordnet und bearbeitet werden. Unterstützen Sie das Allgemeinwissen Ihres Kindes indem Sie viel im Alltag erklären, regelmäßig vorlesen und auf Interessen Ihres Kindes eingehen.

Arbeitsgedächtnis und Stress

Ihr Kind kann nicht immer eine Standardleistungen bringen. Auch Kinder stehen mal unter Stress. Beim Druck, Streit oder in einer (gefühlten) Prüfungssituation werden im Körper Adrenalin, Noradrenalin und Cortisol ausgeschüttet. Diese Hormone blockieren die Leistung des Arbeitsgedächtnisses. Haben Sie gerade Streit mit Ihrem Kind oder Ihrem Partner, Schwierigkeiten in der Arbeit oder Freizeitstress, seien Sie sicher - das alles wirkt auf Ihr Kind ein. Kinder haben feine Antennen und lassen sich auch von unserem Stress anstecken.

Stress gehört zum Leben dazu und lässt sich nicht umgehen. Erwarten Sie jedoch in solchen Phasen keine Spitzenleistung von Ihrem Kind. Lassen Sie die Übungs/Spieleinheiten in einem ruhigen Moment und in einem ruhigen, stressfreien Situation geschehen.

2. Impulskontrolle

Die Impulskontrolle ist ein inneres Stopp-Schild. Sie hilft uns kurz innezuhalten, die Situation einschätzen zu können und unangemessenes Verhalten zu unterdrücken. Durch eine gute Impulskontrolle kann man dem ersten Impuls widerstehen und stattdessen wohlüberlegt zu agieren. Eingefahrene Denk- und Handelsmuster können dadurch durchbrochen werden. Sie dient auch einer gezielten Aufmerksamkeitslenkung, um sich auf das Wesentliche zu konzentrieren und das Störende auszublenden. So bleibt man "der Herr der Lage".


Spiele, die die Impulskontrolle fördern

Im Grunde eignen sich alle Spiele, bei denen Ihr Kind nicht sofort das machen kann, worauf es im ersten Moment Lust hat. Da gilt für die meisten Regelspiele, da sich das Kind da an die vereinbarten Regeln halten muss und nicht dem ersten Impuls nachgehen kann. Wenn man beim Mensch-ärgere-dich-nicht zum dritten Mal zurück zum Startpunkt muss, ist es eine sehr gute Übung, um Ruhe zu bewahren. Aber auch alleine das Abwarten bis man dran ist allein, ist bereits eine gute Förderung der Impulssteuerung.

Es gibt aber auch gezielte Förderspiele, wie z.B. Mein Hut, der hat drei Ecken. In diesem Lied bekommt jedes Wort eine entsprechende Geste. Nach und nach werden die Wörter, samt Gesten, durch ein Geräusch ersetzt.

https://www.youtube.com/watch?v=Q8ot6eAMUQs

Auch eignen sich sehr gut zahlreiche Musik-Stopp-Spiele wie z.B. "Feuer-Wasser-Luft"

  • Kinder tanzen zur Musik oder rennen umher.
  • Sobald die Musik angehalten wird, ruft der Spielleiter eines der Kommandos:
  • Feuer: Kinder in eine Ecke des Raumes
  • Wasser: Kinder müssen hochklettern bzw. auf etwas darauf steigen
  • Luft: Kinder müssen sich auf den Bauch legen
  • Das Kind, das das Kommando als letztes ausführt, scheidet aus, oder darf für die nächste Runde der Spielleiter sein und Musik stoppen & Kommando geben.

Schnipp-Schnapp ist ebenfalls ein Spiel, bei dem die Impulskontrolle gefördert wird. Mit jeder umgedrehter Karte muss das Kind neu überleben, ob es ein Paar gefunden hat und das bemerkbar machen soll, oder ob es kein Paar ist und sein Impuls unterdrückt werden soll.

Kommando Pipmerle ist ein Spiel, das Kindern und Erwachsenen Spaß macht. Dabei geht es darum, die Kommandos des Spielleiters auszuführen. Spielleiter macht dabei entweder mit oder versucht die Spieler zu verwirren, indem er andere Kommandos ausführt, als er sagt. Alle Kommandos werden in beliebiger Reihenfolge ausgerufen.

  • Kommando Pimperle - man trommelt mit den Zeigefingern an den Tisch
  • Kommando Hoch - man macht einen Sprung mit der Hand
  • Kommando Kreis - man malt mit einem Finger einen Kreis auf dem Tisch
  • Kommando Tief - man versteckt die Finger unter dem Tisch
  • Kommando Faust - man bildet eine Faust
  • Kommando Ellenbogen - man trommelt mit den Ellenbogen auf dem Tisch

3. Geistige Flexibilität

Die kognitive Flexibilität ist die Fähigkeit, sich auf neue Situationen und Anforderungen einlassen zu können. Sie ermöglicht es, Alternativen wahrzunehmen, zu berücksichtigen und abzuwägen, welche in dieser Situation die beste ist. Dank Flexibilität können wir Veränderungen meistern und kreativ zu sein. Kognitive Flexibilität ist die Voraussetzung für das soziale Verhalten, um andere Perspektiven zu übernehmen und sich in andere hineinversetzen zu können. Sie ermöglicht es, offen für Meinungen Anderer zu sein, Argumente anderer Personen zu verstehen und aus Fehlern zu lernen.

Spiele, die die kognitive Flexibilität fördern

  • In bereits bekannten Spielen die Regeln verändern z.B. bei Mensch-ärgere-dich-nicht einfach mal gegen den Uhrzeigersinn spielen
  • eigene Pläne entwickeln: einen Ausflug planen, Pizzabacken vorbereiten, Festmahl planen
  • Alle Spiele, bei denen es mehrere Lösungswege gibt.

Farbcode von Smart Games.
Die Farbplättchen werden gelegt, gedreht, gestapelt...
Es geht darum, die Teile so übereinander zu legen, dass die Aufgabe genau nachgebildet wird. 100 Aufgaben in unterschiedlichen Schwierigkeitsstufen bieten meist mehrere Lösungswege, um an das Ziel zu kommen.

Der Klassiker! Vor allem geht es um die Zusatzkarten "Richtungswechsel" und "Aussetzen". Wenn es auf einmal in die andere Richtung geht und somit der ganze Spielablauf etwas verändert wird, ist es eine gute Übungsplattform um kognitive Flexibilität zu trainieren.

Ein anderer Klassiker - 4 gewinnt. Wie geht man vor, wenn der geplante Weg verbaut wurde? Wie reagiert man richtig? Welchen Weg soll man dann einschlagen? Alle diese Fragen fördern die Flexibilität.

Bei Heckmeck würfelt man mit 6 Würfeln gleichzeitig und entscheidet sich dann, welche von denen man nimmt und ob man weiter würfeln möchte. Man kann die Würfel nicht beeinflusse, also muss man auf das gewürfelte Blatt flexibel reagieren.

Eine wichtige Ergänzung

Es wurden viele Möglichkeiten dargestellt, wie man mit dem Kind die exekutiven Funktionen trainieren kann. DOCH:

  • Es sind auch die Maßnahmen UM das Kind sehr wichtig. Klare Regeln, Rituale, Struktur. All das ist notwendig und wirkt unterstützend für das Kind.
  • Auch die Beziehung zwischen dem Elternteil und Kind ist entscheidend. Wie viel Zuwendung bekommt das Kind? Benimmt es sich so, um wenigstens etwas Aufmerksamkeit zu bekommen? Nehmen Sie Ihr Kind an oder muss es Angst vor einem Fehler haben? Wie reagieren Sie bei einer Niederlage?
  • Seien Sie sensibel, was Zustand Ihres Kindes angeht. Klar ist regelmäßige Übung wichtig, aber manchmal bringt es einfach mehr, die Übung auszulassen.
  • Konsequenz: Aus der Erfahrung weiß ich, dass viele Kinder sich "aufführen", weil sie wissen, dass hinter dem elterlichen Schimpfen nichts steht. Die Folge daraus ist, dass Kinder immer mehr ausprobieren und Eltern sich immer machtloser fühlen. Vereinbaren Sie wenige klare Regeln und Konsequenzen, die dessen Nichtbeachtung nach sich zieht. Und halten Sie sie unbedingt ein!

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